Welt-Hinterfragung
Oft, wenn von Krieg die Rede ist, wird erzählt, dass Menschen, wenn sie aus ihrem Haus vertrieben werden oder aus diesem fliehen müssen, im letzten Augenblick, bevor sie gezwungen sind, alles stehen zu lassen, nach dem Fotoalbum greifen oder sogar sich der Gefahr aussetzen und ins schon brennende Haus zurück stürzen, um das Fotoalbum noch heraus zu holen. Kaum etwas ist so gut zu verstehen wie das. Mir würde es ebenso gehen, denn nirgendwo ist mein Leben verlässlicher beschrieben, wenn die Erinnerung trügen würde, als dort.
In manchen Alben gibt es aus der Zeit der Kindheit das treffende Bild, das uns beim Lesenlernen zeigt. Gebannt schauen wir da in ein vor uns aufgeschlagenes Buch, haben vielleicht den Zeigefinger gerade auf eine Zeile, auf ein Wort gelegt, haben den Mund absichtslos halb geöffnet, um das Wort leise für uns mitzusprechen, ihm Klang zu verleihen, und entziffern so, Wort um Wort, Zeile um Zeile, die Schrift. Und wenden die Seiten.
Und immer mehr erschliesst sich die Schrift, erschliesst sich mit ihr die Welt, erschliessen sich Bedeutungen. Da ist die Welt beschrieben, zunächst in einfachen Kategorien, später in aller Vielfalt.
Noch bleibt uns erspart, in Zwiespalt und in Zweifel zu geraten, noch scheint alles sich schrittweise zu ordnen und selbstverständlich zu ergeben. Noch nicht entmutigend ist das Suchen nach dem „Dahinter“, nach der Kehrseite.
Würde dieser Augenblick kommen, und die Wahrscheinlichkeit dessen ist nicht gering, müssten wir „dahinter“ treten und auch dort die Schrift entziffern dürfen, das bislang Verborgene, worüber es Vermutungen gibt, meistens nichts weiter.
C. U. Frank sagt: Gäbe es kein „Dahinter“, überhaupt kein „Danach“, und wir wüssten darum, gäbe es kein Fragen mehr, kein Entziffern, keine Transzendenz. Somit auch keine Kunst, keine Wissenschaft. Vielleicht, ohne solche noch nicht vorgestellte, nicht gewusste Existenz keinerlei Rechtfertigung.
Ihre Arbeiten, so sie nach ihrem Ermessen vollendet, so sie endgültig beschrieben sind, unterzieht sie durch einen Akt der Seitenverwandlung einem Transformationsprozess, indem sie zur Wand gedreht und der traditionellen gewohnten Betrachtungsweise entzogen werden.
Die „Schriftbilder“ gewinnen somit zwei Seiten. Ein „noch nicht“, da wir nicht haben dahinter gehen und sie betrachten, sie nicht entziffern können, ein „nicht mehr“, da die Seitenverwandlung voraus gegangen ist, ohne eine Antwort zu hinterlassen.
Das Dasein bewegt sich fliessend zu jeder Zeit auf diese Weise, zwischen „noch nicht“ und „ nicht mehr“, zwischen Zukünftigem und Vergangenem, und wir, mit unseren Erfahrungen und unseren Vermutungen, leben von dem Einen fort und zu dem Anderen hin…..

Text: Friedhard Tischer
Abb.: C.U.Frank in Ihrem Atelier , Foto: © C.U.Frank
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