Mythos
Wie viel wir verloren haben… Und doch - lange hatte es den Anschein, wir würden, im Grandiosen wie im Abgründigen, nur steten Zugewinn verbuchen, bis vor kurzem schien es so. Inzwischen sind die Apokalyptischen Reiter zurück, Seuche, Krieg. Wovon wir glaubten, endgültig sei es passè, das Mythische. Das wir überflüssig werden liessen, in seiner schrecklichen wie seiner lebensspendenden Gestalt. Verstört nun stehen wir am Fleck, der Zugang zu ihm ist abhanden gekommen, das Verständnis für Offenbarung, Aushalten-Können.
Wohin machen wir uns also auf, um zu erfahren, wieder zu lernen? Vielleicht in den Wald? Einer der stärksten lebensspendenden Mythen ist der des Waldes, ohne Zweifel. Ungebundenheit verknüpft sich mit ihm wie Unberechenbarkeit auch, Unbeherrschbarkeit, urtümliche Angst sogar vor dort hausenden Gewalten. Die Eichen, deren Holz Sven Schilling nimmt und ihm Form verleiht, waren Griechen, Römern, Kelten, Germanen heilig, auch frühen Christen, die den ursprünglich dem heidnischen Gotte Donar geweihten Baum umwidmeten zum Baum der Maria, seiner Beständigkeit wegen ein Symbol der Glaubenstreue. Eichen, mythische Gewächse. Unvergleichlich in Worte gefasst hat Hölderlin das im Gedicht „Die Eichbäume“.
Überdies, wenn Regen die Erde im Wald fort gespült, wenn ein Bergsturz sich ereignet hat, oder, wie Sagen erzählen, ein Tier, ein Hirsch, mit seinem Huf eine Stelle frei legte, schimmerte plötzlich aus dem Grund das Erz hervor, Eisen, Silber. Das Metall, verborgen unter Tag, von Sven Schilling in Einklang gebracht mit dem Holz, ist Mythos des Waldes wie der Baum, die Eiche über Tag. Und - ist mit Mythen mehr etwas beladen als das Tier des Waldes, scheu im Verborgenen, Vollmondnächte geheimnisvoll durchstreifend, ein verzaubertes anderes Wesen vielleicht, Gottheit in Tiergestalt? Dringt der Mensch zu ihm vor, überwindet er es, wird neben Anderem er auch dessen Haut gewinnen, späteres Leder, das vielen Zwecken dient, profanen wie geheiligten. Eichenholz, Metall, Leder, diese mythisch durchdrungenen „Urstoffe“, werden vereint zum Ganzen, zu „Urformen“. Man glaubt sie zu kennen, als Kind im Halbdunkel eines Dachbodens sie in der Hand gehalten, in einem Stall, der längst abgebrochen worden ist, sie vor Zeiten an der Wand hängen oder in einem Winkel stehen gesehen zu haben, und trotzdem sind sie neu, sind sie rätselhaft. Die verloren gegangenen Mythen kehren wieder in dieser Dreigestalt, sie lassen spüren und ahnen von der lebensspendenden Kraft, die ihnen inne wohnt, die auf uns übergehen kann, wenn wir im rechten Augenblick uns ihrer entsinnen.

Text: Friedhard Tischer
Abb.: Sven Bernd Schilling im Atelier.
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